Stammhaus Montfort
Jeder, der den Begriff Adel hört, assoziiert damit bestimmte Dinge. Einige denken an Märchen und schöne Kleider, andere an Reichtum, Prunk und ganze Horden von Bediensteten, Nichtstun und Verschwendung.

Wieder andere verbinden damit Geschichte, Schlösser, Kutschen und glanzvolle Bälle und Audienzen im Thronsaal. Diese Attribute stehen in unserer heutigen Zeit – seit der Revolution von 1918 - zumindest den deutschen adeligen Familien natürlich nicht mehr zur Verfügung.

Anders gefragt: kann sich die moderne aristokratische Familie heute damit noch identifizieren? Wir können ruhig auch die wenigen Familien ausnehmen, die heute noch große Schlösser, Burgen und große Latifundien zu verwalten haben und damit noch am ehesten mit den klischeebehafteten Assoziationen aufwarten können. Gerade bei ihnen überwiegt die Erkenntnis, dass mit den alten Klischees das alte Erbe nicht erhalten werden kann.

Um das Erbe aus Land und Schlössern der Familie zu erhalten, müssen sie wie jeder bürgerliche Unternehmer marktstrategisch gut positioniert sein. Das bedeutet einerseits, ihre Schlösser und Burgen, ihre Geschichte und Traditionen öffentlich zu vermarkten und anderseits als gut ausgebildete Land- und Forstwirte ihre Latifundien zu verwalten. Dies sind handfeste Aufgaben, die den Mitgliedern unseres Hauses kaum gestatten, sich als „ Adelige von Stand“ zu begreifen, die ihre Aufgabe darin sehen, Glanz und Gloria zu verbreiten.

Noch etwas aus meiner bürgerlichen Sicht und warum wir „Bürgerlichen“ die „Adligen“ vielleicht zu unrecht beneiden. Echt adlig zu sein beruht auf einem gerüttelten Maß an Pflichterfüllung, Demut und Selbstbeherrschung und ist nicht immer nur lustig. Zwischen all dem Geschäftlichen bleibt in kleinen privaten Gesprächen zwischendurch viel Hintergründiges und scheinbar Nebensächliches.

Wir gehören noch einer Generation an, die die sprichwörtliche „gute alte Schule“ pflegt. Er lässt der Dame den Vortritt, hilft aus dem Mantel und erweist sich im Restaurant als aufmerksamer Gastgeber, der dafür sorgt, dass das Weinglas seiner Gäste niemals leer wird.

Nun gehört zu einem höflichen und stilvollen Umgang mit seinen Mitmenschen noch ein wenig mehr, als Türen aufhalten. Lassen Sie mich dies an einigen Beispielen aus unserem Büroalltag verdeutlichen.

Tagtäglich erhalten wir Einladungen zu diversen Veranstaltungen, von Benefiz-Galas bis hin zu Denkmaleinweihungen und natürlich auch eine Fülle an privaten Einladungen aus dem großen Kreis der Freunde und Bekannten. Aus terminlichen Gründen und manchmal auch aus persönlichen müssen wir einem Teil dieser Einladungen absagen.

Aber egal ob Zu- oder Absage, keine dieser Einladung fällt unter den Tisch, sei sie auch noch so bizarr, sondern wird mit Dankesworten und guten Wünschen beantwortet.

Anfragen zur Geschichte der Familie, zu verwandtschaftlichen Verhältnissen erreichen uns immer wieder. Wenn sie denn erstgemeint erscheinen, werden diese nach bestem Wissen und Gewissen beantwortet.

War unser Haus zu offiziellen Anlässen bei Personen des öffentlichen Lebens geladen, wird am nächsten Tag ein Blumenbouquet mit Worten des Dankes an den Gastgeber entsandt. Am Folgetag eines privaten Essens ergeht ein freundlicher Anruf am Nachmittag - um den erschöpften Gastgebern Zeit zum munter werden zu lassen -, um für den schönen Abend zu danken und die Höhepunkte noch einmal Revue passieren zu lassen. Es signalisiert dem Gastgeber, der nun wirklich keine Kosten und Mühen gescheut hat, seine Gäste zu verwöhnen, dass ihm genau dies gelungen ist.

Kürzlich war unser Haus zu einem Empfang bei einem befreundeten Botschafter in Berlin eingeladen. Es gab ein prächtiges kalt-warmes Büffet. Der Prätendent unseres Hauses hat die liebenswürdige Marotte, sich das Besteck in die Brusttasche des Smokings zu stecken, um somit die Hände zum Beladen des Tellers frei zu haben. Anscheinend war der Einsatz des Messers an diesem Abend nicht nötig, vergaß er selbiges in seiner Smokingjacke und „entführte“ das gute Tafelsilber in die heimischen Gemächer; sehr unangenehm!

Nun wird das wertvolle Stück nicht einfach wieder per Post zurückgeschickt, nein, das Corpus delicti wird von mir kunstvoll verpackt, mit Schleifenband versehen und begleitet von entschuldigenden Worten und einem Blumengruß per Boten seinem Eigentümer zurück überstellt. Das hat doch Stil!

Oder anders herum: Unser Haus schenkte Udo Walz zu Weihnachten eine Aufmerksamkeit unseres Hauses, welches ich die Ehre hatte, edel und aufwändig zu verpacken. Herr Walz war allein schon von der Verpackung begeistert und hat diese in seinem herumgezeigt mit den Worten, dies wäre doch mal perfekt verpacktes Präsent. Man kann sich die Hüpfer der Freude ausmalen, die mein Herz über dieses schöne Kompliment machte.

Und auch hier stellt sich einigen von Ihnen die Frage: hat Stil etwas mit „adelig“ zu tun und haben Angehörige des Hochadels das Gefühl für Höflichkeit und Etikette schon mit der Muttermilch aufgesogen? Dies vermag ich nicht zu beurteilen, gibt es doch unter uns Bürgerlichen zur genüge höfliche und respektvolle Menschen, die die Gabe besitzen, dass sich ihre Mitmenschen in ihrer Gegenwart geehrt, geschmeichelt, umworben und hochgeachtet fühlen.

Unter den Adeligen gibt es gewiss einige Vertreter, die zwar alle Regeln des Anstands gelernt, diese aber nie in ihrem Herzen verinnerlicht haben oder bewusst darauf pfeifen. Egal, ob adelig oder bürgerlich: Zuvorkommenheit, Respekt vor den Bedürfnissen anderer, Höflichkeit und die Fähigkeit, anderen seine Wertschätzung und Dankbarkeit zu zeigen, sind unverzichtbare Attribute, die ein freundliches und erfülltes Miteinander erst möglich machen.






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