Stammhaus Montfort

Per Hauserlass wurde das Erbfolgerecht durch das Hausgesetz der Grafen von Montfort und derer Stammlinien auf das erstgeborene Kind - unabhängig vom (noch unbekannten) Geschlecht bereits 1654 geändert. Insofern hatte der "immer währende Zusatz - im Mannesstamme ausgestorben" nicht immer den dargestellten geschichtlichen Hintergrund.

Dieses kam innerhalb einer Familienlinie auch in anderen Dynastien und Häusern vor.

Als Beispiel : Die Habsburger - 1740 starb auch die österreichische Linie im Mannesstamm aus. Nach der Heirat der Erbtochter Maria Theresia, deren Herrscherrechte Karl VI. mit der Pragmatischen Sanktion zu sichern versucht hatte, mit Franz Stephan von Lothringen nannte sich die Dynastie Habsburg-Lothringen.

Die verschwenderische Darstellung innerhalb der gegebenen Vermögensverhältnisse haben auch anheim dessen zu überlegt werden, inwieweit die eingeheirateten Häuser mit dem Vermögen umgegangen sind.

Als Beispiel: Durch die Ehe Wolfharts I. mit Agnes von Montfort-Feldkirch, der Witwe von Graf Hartmann von Werdenberg-Sargans, gelangte ein großer Teil der Güter der Familie Werdenberg-Sargans im Rheintal und in Vorarlberg in die Hand der von Brandis (Herrschaften Blumenegg, Sonnenberg und Schellenberg sowie die Grafschaft Vaduz). Zuletzt kaufte Wolfhart V. von Brandis 1437 die Herrschaft Maienfeld mit dem Schloss Marschlins und veräußerte gleichzeitig seine bernische Besitzungen schrittweise an die Stadt Bern.

Weiter unten zum Ende wird die finanzielle Basis nach betriebswirtschaftlichen Standpunkten in Vereinbarung mit der geschichtlichen Abfolge beachtet und eingegangen.

Als Beispiel: Und als dann 1277 Hugo von seinem Schwestersohne, die aus dem alten Linzgau hervorgegangene Grafschaft Heiligenberg an sich brachte, gewöhnte man sich, von da an seine Linie von Werdenberg-Heiligenberg zu nennen, im Gegensatze zu der Linie Hartmann’s von Werdenberg-Sargans. Es darf als sicher angenommen werden, dass seine Mutter Clementa eine Schwester Graf Hartmann’s des Jüngeren von Kiburg gewesen ist und dass durch diese Verbindung zuerst der Name Hartmann in das Geschlecht der Werdenberger gekommen ist.

Aus diesem verwandtschaftlichen Verhältnis erklärt sich auch leicht, dass dem Grafen Hugo I. gemeinsam mit dem Grafen Rudolf von Habsburg, dem Schwestersohn des älteren Grafen Hartmann von Kiburg, die Vormundschaft über die kiburgische Erbin Anna, die Tochter des jüngeren Hartmann, anvertraut wurde. Das brachte Hugo I. wohl häufig mit dem Habsburger in Berührung.

Die beiden Grafen fanden sich auch zusammen in einer Fehde gegen den Grafen Rudolf I. Von Montfort und gewannen den Abt von St. Gallen zu ihrem Verbündeten. Als Graf Rudolf von Habsburg zum römischen König gewählt worden war, übertrug er dem befreundeten Werdenberger die Landvogtei Oberschwaben mit dem Auftrag, das dem Reiche Entfremdete zurückzufordern.

Schon am 14. März 1274 urkundete Hugo I. als judex provincialis superioris Sveviae und hat - gewöhnlich unter dem Titel eines Landgrafen - die Verwaltung dieser Lande bis zu seinem Tode besorgt.

Auf dem Zuge gegen Ottokar von Böhmen stand er an König Rudolf’s Seite und erscheint nachher oft als Zeuge in seiner Umgebung. Der Ankauf von Heiligenberg ist durch Rudolf vermittelt worden. Eine zwiespältige Abtwahl im Kloster St. Gallen benutzte Hugo, um den großen Hof Bütswil und die Stadt Lichtensteig im Thurthal als Pfand in seine Hand zu bringen und dadurch mitten im Gebiet der kräftigen Toggenburger Grafen eine feste Stellung zu gewinnen. Als Haupt des Hauses Werdenberg führte er die Vormundschaft über die 3 Söhne seines früh verstorbenen Bruders Hartmann I. von Werdenberg-Sargans.

Hugo II., der Einäugige, Hugo I. einziger Sohn, hielt ebenfalls fest zum Hause Habsburg. Wie gut Hugo II. bei König Rudolf angesehen war, geht daraus hervor, dass er im Januar 1281 mit Anderen auserwählt wurde, um des Königs Tochter Clementia zu ihrem Verlobten Karl Martel nach Neapel zu geleiten. In dem Streite der Habsburger mit dem aufstrebenden Zürich, mit dem Abt Wilhelm von St. Gallen aus dem Hause Montfort und mit dem Bischof von Constanz aus dem Hause Habsburg-Laufenburg, in dem Kampfe Herzog Albrecht´s um die Krone: überall setzte Hugo II. seine ganze Person ein. Im April 1292 hat er den österreichischen Herzogen das durch Zürich hart belagerte Winterthur gerettet, sodann mit Herzog Albrecht das äbtische Wil belagert und nach zweimonatlichem Widerstand erobert. Hier, auf dem Felde von Wil, wurde er mit seinem Vetter Rudolf II. Von Werdenberg-Sargans durch Albrecht zum Ritter geschlagen.

Zum Danke für diese getreuen Dienste soll auch ihm, wie einst seinem Vater, die Landvogtei in Oberschwaben übertragen worden sein. Ende Juli 1305 wird Hugo II. zum letzten Male urkundlich erwähnt.

Albrecht I. erscheint zuerst als Zeuge in einer Urkunde vom 25. August 1308. Wie sein älterer Bruder und seine sargansischen Vettern trat Albrecht I., der Überlieferung des Archiv unseres Hauses folgend, zunächst in Dienstverhältnisse zu den österreichischen Herzogen und ergriff die Partei Friedrich des Schönen. Nachher aber wusste er sich in seiner langen Laufbahn mit Ludwig dem Baier und Karl IV. nicht weniger gut zu stellen. Von König und Kaiser Ludwig ist er zum Reichslandvogt um den Bodensee und zum Reichsvogt der Länder Uri, Schwiz und Unterwalden ernannt worden (1327 und 1331 urkundet Albrecht unter diesen Titeln) und König Karl ernennt ihn 1348 zum capitaneus et defensor episcopi Tridentini. Auch die Erwerbung der oberhalb an Werdenberg angrenzenden Herrschaft Wartau mit der stattlichen Burg dieses Namens geht auf Albrecht I. zurück, der damit den Sarganser Grafen näher auf den Leib rückte und auch seine Stellung gegen diese stärkte. Dagegen veräußerte er seinen im Machtbereich der Toggenburger gelegenen Besitz, der die Gefahr von Konflikten mit dem tatkräftigen Geschlechte in sich barg und bei seiner ausgesetzten Lage in einem solchen Falle kaum haltbar gewesen wäre. So schien das Haus Werdenberg-Heiligenberg um die Mitte des 14. Jahrhunderts mächtiger als je dazustehen, um so fester, als seit dem Jahre 1334 Albrecht I. der einzige seines Stammes war und dessen ganze Gewalt in seiner Hand vereinigte.

Schon bedenklicher ließ es sich an, als Albrecht I. im Januar 1360 mit den Grafen von Montfort-Feldkirch in offenen Krieg geriet über das Erbe der am 29. März 1359 im Mannesstamm ausgestorbenen Linie Montfort-Tosters und Graf Rudolf III. von Feldkirch und seine Söhne sich unter den Schutz des weitsichtigen Herzog Rudolf IV. von Österreich stellten, um sich vor der Rache der Werdenberger für den Überfall der linksrheinischen Gebiete und deren Verwüstung zu sichern.

Das Haus Österreich und Graf Joachim von Zollern hatten die Verteilung der Werdenbergischen Besitztümer mit dem Segen von Kaiser Karl V. untereinander geregelt. Inneringen fiel demnach zusammen mit der Herrschaft Jungnau an den Grafen Friederich den Älteren von Fürstenberg, den Schwiegersohn des Grafen Christoph von Werdenberg. Schon damals sorgte man also dafür, dass alles in der Familie blieb. Und schon damals ging es nicht ohne Streit ab. Im nach hinein gab es Streit zwischen den Zollern und den Fürstenbergern bezüglich der Verteilung des Erbes, dieser wurde jedoch 1540 im "Pfullendorfer Vertrag" geschlichtet. Durch seine Vermählung mit Gräfin Anna von Werdenberg erbt Graf Friedrich II. von Fürstenberg im Jahr 1534 die Grafschaft Heiligenberg nördlich des Bodensees sowie die Herrschaften Jungnau und Trochtelfingen.

Barbara von Montfort-Tettnang heiratete 1556 Christoph I., Graf von Fürstenberg. Es gelang Albrecht I., den Grafen Rudolf I. von Montfort-Feldkirch mit seinem ältesten Sohn Ulrich auf dem Bodensee aufzufangen, als sie von Arbon nach Lindau fahren wollten. Um die Freiheit wieder zu erhalten, mußten sie sich zu einem Frieden herbeilassen, in dem die Werdenberger alles Verlorene zurück erhielten und ihre Ansprüche an das Erbe von Tosters behaupteten.

So konnte Albrecht I. seine Tage in Ruhe beschließen; aber die werdenbergische Herrschaft war durch den Montforter Krieg doch heftig erschüttert und geschwächt, die Grafen in arge Geldnöte und Prozesse verwickelt, und die eingeleitete enge Verbindung der ihnen nun erst recht feindlich gesinnten Montforter mit Österreich gewann um so bedrohlichere Gestalt, als dieses so gewaltig herangewachsene und um sich greifende Haus nicht bloß das Hinterland der vorarlbergischen Landschaften, Tirol, an sich brachte, sondern zwei Jahre später durch den Ankauf der ansehnlichen Feste Neuburg bei Götzis mitten in dem bisher unbestrittenen Machtbereich des ursprünglichen Hauses Montfort-Werdenberg festen Fuß fasste.

Erwähnenswert sind aus der Linie: Felix, eintüchtiger Kriegs- und Hofmann im Dienste Maximilian’s und Karl`s V. gelangte durch Heirat mit einer wallonischen Erbin zu reichem Besitze im Luxemburgischen und überließ schon 1510 die ihm bei der Theilung zugefallene Herrschaft Sigmaringen mit Veringen seinem Bruder Christoph, „weil wir sonst und an andern Orten genugsam und wohl versehen sind“. Agnes von Werdenberg-Heiligenberg heiratet Jost Niklaus I. Graf v. Hohenzollern.

Der Beispiele aus der Verheiratung in das Haus Hohenzollern-Sigmaringen: Meinrad II. Karl Anton, Fürst von Hohenzollern-Sigmaringen Gräfin Johanna Katherina von Montfort sowie Friederike Christiane Maria, Gräfin von Hohenzollern-Sigmaringen Graf Sebastian von Montfort-Tettnang. Die Fürsten von Hohenzollern-Sigmaringen und ihre vor allem wirtschaftlich weniger erfolgreichen Vettern von Hohenzollern-Hechingen waren jedoch des Regierens bald überdrüssig. Im Jahr 1850 verkauften sie ihre gesamten Herrschaften an ihre evangelischen Vettern aus Preußen.

Die Ehe der Magdalena von Werdenberg mit dem Grafen Egmont ist ein weiteres Beispiel für die zunehmenden Eheverbindungen oberschwäbischer und niederländischer Adliger.

Magdalena von Werdenberg, Tochter des Grafen Georg von Werdenberg und Cousine von Kaiser Maximilian I. von Habsburg, Herzog von Burgund, ab 1486 römisch-deutscher König, ab 1493 Erzherzog von Österreich und ab 1508 Kaiser des Heiligen Römischen Reiches. Verheiratet mit Johann III. von Egmond, Herr von Baer, Lathum, Hoogwoude, Hoogwoude und Aarstwounde sowie Herr von Purmerend, Purmerland und Ilpendam. Er war Statthalter von Holland, Seeland und Westfriesland und erster Graf von Egmond. Wie sein Vater, unterstützte er die Burgundische Partei im Kampf um die Macht in Geldern. Als Karl der Kühne 1472/73 die Macht dort übernahm, machte er ihn zum Vogd von Westfriesland und 1474 zum Gouverneur von Arnhem.

Während des sogenannten Haken-und Kabeljau-Krieges stand er auf Seiten des Kaisers Maximilian, der ihn dafür 1483 mit der Statthalterschaft über Holland, Seeland und Westfriesland belohnte. Im Jahr 1486 erhob der Kaiser das Land zur Reichsgrafschaft. 1491 wurde er Ritter des Ordens vom Goldenen Vlies. Das Paar hatte 9 Kinder.

Beispiel Münzwesen: Das begann um 1620 mit der Prägung unterwertiger Taler in Tettnang und der Verpachtung der Münzprägung an eine Gruppe von Unternehmern, die 1621 die Münzstätte in Langenargen einrichteten und dort Taler und Dreibätzner, also 12-Kreuzer-Stücke, herstellten.

Als 1623 die deutschen Fürsten beschlossen, und zu gutem Geld zurückzukehren, kaufte Graf Hugo von Montfort die wertlos gewordenen Münzen in großen Mengen zum Altmetallpreis auf und prägte aus dem darin enthaltenen Silber vor allem Halbbatzen, 2-Kreuzer-Stücke. Der Kreuzer hatte seinen Namen vom Doppelkreuz auf der Vorderseite. Das Münzregal gehörte je nach Blickwinkel zu den Majestätsrechten oder den fiskalischen Rechten: das ius cudendi monetam, der Münzgewinn, der aus dem Unterschied zwischen Metallwert und Kaufwert herrührte, wurde jedenfalls stets von der Reichsgewalt beansprucht und ausgebeutet. Die Grafen von Montfort prägten die Stücke zwar unterwertig, aber ein paar Jahre später war die allgemeine Geldentwertung so weit vorangeschritten, dass die alten schlechten Gulden nun gar nicht mehr auffielen und als akzeptabel galten, und dannwurden sie gegengestempelt. Denn die Grafen von Montfort waren beileibe nicht der einzige Münzstand, der schlechtes Geld prägte. Löwenstein, Öttingen, Sayn, auch geistliche Fürsten wie der Bischof von Konstanz und Städte wie Kempten wurden getadelt, und auch der Kaiser selber beteiligte sich an der Münzverschlechterung. Die Geldentwertung war eine allgemeine Erscheinung.

Das Münzrecht inne zu haben, war ein sehr lukratives Vorrecht, da der Schlagschatz, den die Münzmeister leisten mussten, erheblichen Gewinn insbesondere bei den Scheidemünzen mit sich brachte. Für viele Fürsten des Mittelalters und der Neuzeit war dies neben den Steuern die größte Einnahmequelle. Da sie einen aufwendigen Lebensstil verfolgten und oft militärische Konflikte austrugen, konnte es sogar vorkommen, dass sie sich von den bei ihnen angestellten Münzmeistern Geld leihen mussten.

1763 schloss Graf Franz Xaver die Münzstätte Langenargen und prägte keine Münzen mehr. Er behielt allerdings die Münzstätte mit allem Zubehör, in der Hoffnung, später wieder anfangen zu können. Dazu kam es aber nicht. Die heutige Inanspruchnahme wird durch unser Haus durch noch laufende gerichtliche Beschlüsse, wieder hin zu einer Privatbank, angestrebt.

Nach vielerlei dargestellten, unseres Hauses mehr fiktive Behauptungen, wird als Beispiel für Misswirtschaft gerne das Haus Montfort angeführt. Dabei sollen sich manche oberschwäbischen Grafen und Ritter „in eine Orgie der Verschwendung“ gestürzt haben. Sowohl die „Erfordernisse einer verstärkten Bürokratisierung“ wie „die barocke Selbstdarstellung im höfischen Gewande [haben] gerade die kärglichen Mittel der Reichsgrafschaften oft zum Äußersten angespannt, so dass die Mediatisierung letztlich unvermeidlich gewesen sei.

Die kleine oberschwäbische Grafschaft Montfort ging 1776 [!] sogar endgültig bankrott und wurde daraufhin von Österreich übernommen.“

Dieses Urteil kann sich auf die ältere Hausgeschichtsschreibung stützen.

Nach Vanotti 1845 haben „Mangel an Sparsamkeit und eines geordneten Haushaltes“ den „Verfall dieser edlen Familie herbeigeführt“. „Statt die Kriegswunden zu heilen, Wirtschaft und Finanzen zu ordnen und zu heben, frönten sie, [...] als echte Barockmenschen ungezügelt und hemmungslos ihrer Baulust und Prachtliebe und besiegelten so ihren Untergang.“ Als die „Hauptursache der finanziellen Misere [...] in den für eine Herrschaft dieser Größe überzogenen Kosten für eine standesgemäße Hofhaltung“.

Eine Durchsicht der Quellen zum Finanz- und Schuldenwesen der Grafen ergibt ein komplexeres Bild. Der Herrschaftsverlust der Grafen ist maßgeblich auf die zielgerichtete Territorialpolitik Österreichs zurück zu führen. Im Zusammenhang mit weiteren Erwerbungen Österreichs im nordöstlichen Bodenseeraum könnte man zugespitzt von einer Politik der ‚österreichischen Immediatisierung vor der napoleonischen Mediatisierung’ sprechen. Um die Verschuldung einordnen zu können, bedarf es eines Blicks auf Einkommen und Ausgaben der Grafen. Dazu stehen für 40 Jahre, also die Hälfte der Regierungsjahre zwischen 1700 und 1780 vergleichbare Jahresrechnungen der Herrschaft Tettnang und für 17 weitere teilweise verwertbare Daten zur Verfügung. Auf die methodischen Probleme der Auswertung kann ich hier nicht eingehen. Zu bedenken sind, dass es sich ausschließlich um Geldrechnungen handelt, also Lieferungen von Naturalien zum Verbrauch am Hof, als Gehaltsbestandteile und zur Bezahlung von Fremdleistungen nicht berücksichtigt sind, ein Großteil der aufgenommenen Kredite und wohl auch ein Teil der Schuldablösungen in den Rechnungen nicht auftauchen, die Aufwendungen für die Lebenshaltung der gräflichen Familie und für Bauten sicher deutlich höher liegen als aus den Rechnungen zu ersehen.

Wenn die Analysten unseres Hauses von den Durchschnittswerten ausgehen, die sich für die 40 Jahre errechnen lassen, dann ist festzustellen, dass Einnahmen und Ausgaben des ordentlichen Haushalts, also ohne Kapitalaufnahmen und -ablösungen sowie Zinszahlungen, sich mit ca. 23000 Gulden in etwa die Waage halten, erst die Zinszahlungen in Höhe von ca. 5700 Gulden und damit immerhin ein Viertel der ordentlichen Ausgaben und erst recht die Ablösungszahlungen bringen den Haushalt der Herrschaft aus dem Gleichgewicht.

Rechnet man die Einnahmen der Herrschaften Argen und Schomburg dazu in Höhe von netto etwa 10000 Gulden., dann hätte man mit Mühe die Zinszahlungen aufbringen können, aber keinen Spielraum mehr für Schuldablösungen gehabt. In Wirklichkeit muss man davon ausgehen, dass zu den ca. 30-35000 Gulden ordentlichen Einnahmen jährlich nochmals 20000 Gulden Schuldaufnahmen dazu kamen. Zusätzlich zu den ca. 25000 Gulden ordentlicher Ausgaben wurden jährlich ca. 10000 Gulden Schulden beglichen und 5700 Gulden Zinsen bezahlt, so dass für Hof und Bauwesen zusätzlich zu den ordentlich abgerechneten 12000 Gulden mindestens nochmals dieselbe Summe aufgewendet wurden. In den 1770er Jahren errechneten die Analysten unseres Hauses einen Bruttoertrag der Herrschaft Tettnang von über 30000, der Herrschaft Argen von etwa 10000 und der Herrschaft Schomburg von 2000 Gulden unter Einbezug aller Naturaleinkünfte. Nach Abzug aller unabdingbaren Kosten von etwa 10000 Gulden hätten für die Hofhaltung etwa 10000 und für den Schuldendienst etwa 20000 Gulden zur Verfügung gestanden.

Damit wäre man Mitte des Jahrhunderts noch einigermaßen über die Runden gekommen, aber zu diesem Zeitpunkt wären allein an Zinsen 32000 Gulden jährlich angefallen und für Hofhaltung und Bauwesen reichten zu keinem Zeitpunkt 10000 Gulden.

Aber wie sieht es bei anderen Adelsfamilien aus?

Finanzgeschichte ist mühsam und wenig attraktiv. Deshalb gibt es auch nur eine einzige, aber vorbildliche Finanzgeschichte eines anderen oberschwäbischen Territoriums: über die Grafschaft Friedberg-Scheer. Die ordentlichen Einnahmen und der disponible Ausgabenspielraum lagen dort etwa um ein Viertel niedriger als bei den Grafen von Montfort. Auch dort kam es zu einer Finanzkrise und Debitkommissionen, 1679 sogar zu einer Gefangennahme des Grafen wegen Misswirtschaft und einem Schuldenberg von dort maximal 318000 Gulden.

Die Friedberg-Scheerer Linie der Grafen von Waldburg-Zeil starb 1772 aus, ihr Besitz fiel durch Erbvergleich an die Wolfegger Linien, die die Grafschaft 1785 an den Fürsten von Thurn und Taxis um die erwähnten 2,1 Mio. Gulden verkauften und sich dadurch sanieren konnten.

In Oberschwaben, westlich der Iller und in Vorarlberg residierten Anfang des 18. Jahrhunderts 14 Hochadelsgeschlechter (sechs Linien der Waldburger, drei der Fürstenberger), Anfang des 19.Jahrhunderts nur noch sechs. Soweit bekannt galten alle als verschuldet, man findet in der Literatur aber kaum klare Zahlen. Nur die Fürstenberger verfügten über deutlich höhere Einnahmen als die Montforter, aber auch sie standen mehrfach vor dem finanziellen Zusammenbruch. Kaiserliche Debitkommissionen sind außer für Montfort und Friedberg-Scheer bekannt von

  1. Waldburg-Trauchburg-Kißlegg,

  2. Waldburg-Waldsee, 1778 - 1780 ebenfalls mit Gefangennahme des Grafen,

  3. Fugger-Wellenburg mit der Herrschaft Wasserburg,

  4. beiden Linien Hohenem, wo Graf Anton von Montfort sogar 1716 - 1718 als Administrator waltete.

Fünf dieser Fälle endeten letztlich mit dem Aussterben der Geschlechter (Hohenems, Waldburger) und damit überschneidend in drei Fällen mit Verkäufen (Wasserburg, Tettnang, Friedberg-Scheer).

Der Konkurs wurde festgestellt bei den Fugger-Wellenburg und den Montfortern.

Ein Blick auf die Schlossbauten: Von der Renaissance bis zum Klassizismus bauten 15 Familien (mit den Zimmern) 16 Schlösser, davon drei die Montforter, und nehmen neun größere Um- und Ausbauten vor, davon zwei die Montforter, sie waren also von 25 größeren Baumaßnahmen allein für ein Fünftel verantwortlich. Alle anderen größeren Schlösser Oberschwabens wurden im späten 16. und frühen 17. Jahrhundert erbaut. Von den barocken Schlössern ist Tettnang das größte und musste nach dem Brand überdies ein zweites Mal ausgestattet werden. Die Montforter gaben also im 18. Jahrhundert wesentlich mehr Geld aus für Baumaßnahmen als ihre Standesgenossen.

Außer den Schlössern finanzierten die drei letzten Generationen von Grafen u.a. den Bau eines Klosters, einer Pfarrkirche, eines Spital sowie dreier Kapellen und stifteten fünf Kaplaneien. Die Waldburger und Fürstenberger konnten sich konsolidieren nach dem Erlöschen von Linien durch den Anfall deren Herrschaften. Anders als die Fürstenberger, Waldburger und Königsegger erhielten die Montforter auch keine Ämter des Kaisers oder der bayerischen Kurfürsten mit ihren Zusatzverdiensten übertragen. Entlastung brachten nur die Domherrenstellen, die sie dem verschwägerten Kardinal Schönborn verdankten und die Pfründen der Damenstifte für ihre Töchter.

Aber gerade der Verzicht von drei Grafen in der letzten Generation auf Heirat und die Versorgung von zweien mit kirchlichen gut dotierten Kanonikaten führten dann auch zum Aussterben der Familie.

Die finanzielle Lage der oberschwäbischen Hochadelsfamilien unterschied sich nicht wesentlich.

Aber nur zwei Familien, die Montforter und die unbedeutenden Fugger-Wellenburg fielen in den Konkurs. Die Schlossbauten der Montforter nach den Zerstörungen im 30jährigen Krieg und dem Brand sowie ungünstigere Randbedingungen mögen die Montforter in eine besonders prekäre Lage gebracht haben.

Wir dürfen den Blick nicht nur auf die Scheiternden, sondern auch auf den Nutznießer Österreich richten.

Die österreichische Politik insbesonders in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts ließ sich immer weniger vom Wohl des Reichs und immer mehr von erbländischen Interessen leiten. An die Stelle indirekter Herrschaft über Klientelbeziehungen im Reich trat verstärkt die Stärkung der eigenen Position durch territoriale Zugewinne und Ausbau der eigenen Hausmacht. Die Historiker unseres Hauses spitzen das dahingehend zu, dass Ziel der Politik des Staatskanzlers Kaunitz die „Umgestaltung der Reichsverfassung im Interesse Österreichs“ und eine „Neuorganisation Süddeutschlands, um von Süden her unter Einschluss der gesamten wittelsbachischen Länder die Brücke zu den südlichen Niederlanden zu schaffen“ gewesen sei. Sie überzieht jedoch, wenn sie die „Auflösung der süddeutschen Reichskreise 1780/81“ und die Eingliederung der schwäbischen Grafen „in den Untertanenverband Vorderösterreichs“ konstatiert.

Österreich hatte den Niedergang der Grafen von Montfort im Spätmittelalter bereits nutzen können, um Vorarlberg zu einer fast geschlossenen Landesherrschaft auszubauen. Bis 1755 hat das Kaiserhaus dann die Grafen als seine Klientel eher gestützt, die Gläubiger immer wieder vertröstet und sich um die „Aufrechterhaltung des uralt katholischen, um das Heilige Römische Reich und das aller durchlauchtigste Erzhaus Österreich in vielen Wegen hochverdiente gräfliche Haus von Montfort“ bemüht. Nun aber wurden die montfortischen Herrschaften zum Objekt eines ‚Wirtschaftskrieges’ zwischen Österreich und Bayern um die Steigerung des Salzexports in die Schweiz. Um nicht gegen Österreich ins Hintertreffen zu gelangen, wollte Bayern ein „dominium“ am Bodensee als sicheren Ausfuhrhafen erwerben. „Es begann ein ‚Wettlauf’ zum Bodensee.

1752 hatte der Kaiser den Verkauf der bis 1592 montfortischen und unmittelbar an die Herrschaft Argen angrenzenden kleinen Herrschaft Wasserburg angeordnet, die im Besitz der Grafen von Fugger-Wellenburg mit 410000 Gulden verschuldet war.

1754 meldete sich der Kurfürst von Bayern als Kaufinteressent, um anstelle der bisherigen Salzfaktorei in Lindau eine eigene Salzniederlage in Wasserburg zu errichten. Ein Gutachten der österreichischen Staatskanzlei kam 1755 zu dem Ergebnis, dass man „die Herrschaft Wasserburg nicht aus Händen [...] lassen“ könne, da der „tirolische Salz-Verschleiß nach der Schweiz und Schwaben um so vieles abnehmen müsse, als der kurbayerische anwachse [...], weil [...] Kurbayern besseres Salz um ein wohlfeileres Geld liefere, und die Schweizer, so nur auf die Gelegenheit warteten, an sich ziehen könnte“. Es sei generell bedenklich, „wenn Kurbayern sich an dem Bodensee festsetze, den Getreidehandel mit der Schweiz an sich ziehe und die Gelegenheit erhalten sollte, der Grafschaft Bregenz die Zufuhr sperren und diesen Schlüssel zu Tirol und den italienischen Landen beunruhigen zu können.

Mithilfe eines Kredits des Reichsstifts Salem erwarb daraufhin Österreich die Herrschaft. Im gleichen Gutachten wird auch erörtert, dass „Langenargen, so gleichfalls an dem Bodensee sehr wohl gelegen und mit einem guten Hafen versehen ist, sich in des Grafen Montfort Händen befindet“, der wegen seiner Schulden dringend 500000 Gulden gegen Verpfändung seiner Rechte in der Herrschaft und im Lindauer Hochgericht auftreiben müsse. Würden diese Rechte an das Haus Bayern gelangen, so sei mit einem Erwerb Wasserburgs gar nichts erreicht, da dann eben in Langenargen die „Beförderung seines Salz- und Getreidehandels“ betreiben würde.

Gewähre Österreich dem Grafen den benötigten Kredit, so könne es sich „von den kurbayerischen Salzbeeinträchtigungen und anderen nachteiligen Folgen beständig sicher ... stellen“. Bleibe der Graf mit den Zinszahlungen im Rückstand, so könne sich Österreich „in den wirklichen Besitz der besagten Herrschaft setzen“ und dem Grafen seien „die Hände völlig gebunden“ und damit „der Weg gebahnt, mit der Zeit die schöne und wohl gelegene Herrschaft Langenargen vollkommen an das durchlauchtigste Erzhaus zu bringen“. Die Argumente überzeugten, der Graf von Montfort bekam sein Darlehen, die Rechnung ging auf. Gleichzeitig bot 1755 die verschuldete Reichsstadt Buchhorn Österreich das Hafen- und Stapelrecht an und wollte sich seinem Schutz unterstellen bei formeller Erhaltung seiner Reichsstandschaft. Dagegen legte aber der Schwäbische Kreis Protest ein. In Wasserburg und Argen gescheitert, versuchte daraufhin Bayern in Buchhorn Fuß zu fassen.

Dort gelang es ihm, am 21. August 1755 den sog. „Salzvertrag“ zu schließen, wonach Bayern in Buchhorn seine Salzniederlage errichten konnte. Dagegen erhob Österreich nach anfänglichem Widerstand aus unbekannten Gründen keinen Widerstand. Vielleicht war Österreich zufrieden, dass es Bayern immerhin nicht gelungen war, sich ein „dominium“ am Bodensee zu sichern.

Wirtschaftlich operierte Bayern dagegen erfolgreich, die Schweiz wurde Bayerns größter Salzexportmarkt. 1777 beendeten Bayern und Österreich ihrenHandelskrieg mit einem Transitvertrag. 1769 schien Bayern doch noch mit dem Erwerb eines „dominium“ am Bodensee Erfolg zu haben.

Da die Straße von Ravensburg nach Buchhorn oft nicht passierbar sei und sich die Straße über Tettnang nach Langenargen in einem besseren Zustand befinde, verhandelte Bayern seit 1765 mit dem Graf Franz Xaver von Montfort über den Kauf der Herrschaft Argen und bot 800000 Gulden als Kaufpreis. Unter Berufung auf sein Vorkaufsrecht konnte Österreich aber wiederum verhindern, dass sich Bayern am Bodensee festsetzte. Mit seinem Veto gegen den Verkauf an Bayern blockierte Österreich erfolgreich die letzte Möglichkeit einer Sanierung des Hauses Montfort.

Die eigenen Verkaufsverhandlungen über einen Ankauf der Herrschaft Argen zögerte es so lange hinaus, bis 1773 die Hofkammer die Immission in die Kameralverwaltung der Herrschaft erwirkt hatte und 1776 der Graf seine Zahlungsunfähigkeit erklären musste. Zwischen Hofkanzlei und Hofkammer stritten sich die Beamten zunächst noch um die Gewichtung der territorialen Interessen gegen finanzielle Bedenken und ob man nicht einfach den Rückfall der Herrschaften an das Reich nach dem Tod der beiden Grafen abwarten solle. „Mich dünkt immer, man sehe nur auf den Ertrag, wie er dato liegt, ohne auf die Jura und Regalia auch andere Vorteile [...] eine Rücksicht zu nehmen. Tettnang mit Zubehör ist und bleibt halt immer für das aller durchlauchtigste Erzhaus eine sehr vorteilhafte Aquisition. Schließlich entschloss man sich zum Kauf, da die „Aquisition nicht nur wegen der Lage der Herrschaften zu Verbindung der zerstreuten österreichischen Besitzungen sehr verträglich befunden“, und um alle Unwägbarkeiten eines noch lange dauernden Konkursprozesses und die Trennung der Allodien von den Lehen zu vermeiden. So wurde „die Verbindung der Landvogtei mit Vorarlberg und also eines großen Teils von Vorderösterreich, welche schon so lange gesucht worden“ sei, erreicht.

Der Erwerb der Grafschaft brachte Österreich zudem eine zweite Stimme im Grafenkollegium des Schwäbischen Kreises ein, nachdem es 1769 bereits mit dem Anfall der Grafschaft Hohenems eine erste Stimme erhalten hatte, womit es nicht nur direkten Einfluss auf die Kreispolitik gewann, sondern auch seine Vorarlberger Herrschaften arrondieren konnte. Kurz vor der napoleonischen Flurbereinigung konnte Österreich seine Herrschaft in Oberschwaben weiter ausbauen: Nach der Säkularisation eignete es sich mittels des Epavenrechts ehemals geistlichen Besitz an, in der Herrschaft Tettnang die Rechte der aufgehobenen Klöster Weingarten und Weissenau, in Vorarlberg die Herrschaften Blumenegg und St. Gerold.

1804 bewegte es den Grafen von Königsegg-Rothenfels zum Eintausch seiner Grafschaft Rothenfels im Allgäu gegen Besitzungen in Ungarn und kaufte vom Fürsten von Bretzenheim die ehemalige Reichsstadt Lindau. Damit war die Landbrücke zwischen Vorarlberg und der Landvogtei nun auf breiter Front geschlossen. Der Kauf der Grafschaft Weissenau zwischen Landvogtei und der Herrschaft Tettnang konnte nicht mehr vollzogen werden. Zweimal hatte ein Verlust von Tettnang abgewehrt werden müssen, 1802 hatte der Fürst von Bretzenheim eigentlich lieber Tettnang als Lindau haben wollen und 1804 wäre der Graf von Königsegg-Rothenfels lieber nach Tettnang als auf ungarische Güter umgezogen.

Dieser Ausbau der österreichischen Position am Bodensee kontrastiert allerdings zu den mehrfachen Überlegungen, ganz Vorderösterreich aufzugeben, so 1740 und wieder 1780 an Bayern und schließlich wurde im Wiener Kongress auf den Rückerwerb der Vorlande zugunsten des Zugewinns von Salzburgs verzichtet.

Es gab also im 18. Jahrhundert keine durchgehende stringente Strategie. Es konkurrierten dominant die Linie des Ausbaus der schwäbisch-österreichischen Besitzungen vom 17. Jh. bis 1805, flankierend die Strategie indirekter Herrschaft über Klientelbeziehungen. So wird Anfang des 18. Jahrhunderts den Liechtensteinern und Ende des Jahrhunderts den Thurn und Taxis der Erwerb von Reichsgrafschaften ermöglicht.

Beide Grafschaften, Vaduz-Schellenberg und Friedberg-Scheer, hätten auch gut zur Abrundung österreichischer Besitzungen getaugt. Die wiederkehrenden Überlegungen, sich die ganzen Vorlande als Ballast vom Hals zu schaffen.

Zum Aussterben im Mannesstamm in der Bodensee-Region: Die Grafen von Montfort konnten als eines der ältesten Adelsgeschlechter Schwabens ihren Stammbaum bis in die Zeiten der Karolinger zurück verfolgen. Die Geschichte der Familie ist bis ins 16. Jahrhundert eine Geschichte der Teilungen in einzelne Linien und des sukzessiven Verkaufs vor allem der Stammlande in Vorarlberg an die Habsburger.

Nach 1659 verblieben den Grafen nur noch die Herrschaften Tettnang und Argen als Reichslehen und die zur Ritterschaft steuerbare Herrschaft Schomburg mit zusammen etwa 10000 Untertanen.

Im 30jährigen Krieg waren beide Schlösser in Tettnang und Argen zerstört worden. Zunächst begnügte sich Graf Johann V. mit der Wiedererrichtung zweier relativ einfacher Schlossbauten. Sein Sohn Graf Anton III. verpachtete 1699 in der Hoffnung auf eine Karriere am fürsterzbischöflichen Hof seines Schwagers Johann Ernst Graf von Thun in Salzburg die Einkünfte seiner Herrschaften an seinen Oberamtmann , musste aber bereits 1701 erwägen, beim Kaiser eine Debitkommission zur Untersuchung seiner „übermäßigen Schuldenlast“ zu beantragen. Nachdem Anton nach dem Tod seines Schwagers 1712 sein Amt als Obristmarschall in Salzburg aufgegeben hatte und an den Bodensee zurückgekehrt war, genügten ihm die beiden bescheidenen Schlösser nicht mehr. Nach dem Beispiel der mit ihm verschwägerten Häuser Thun und Schönborn begann er 1712 mit dem Bau der großen Vierflügelanlage des Neuen Schlosses in Tettnang, der „unumgänglich geworden sei [...] zu des hohen Hauses Ehre. 1718/19 sondierte er gar die Möglichkeit einer Erhebung in den Reichsfürstenstand.

Als ihn die Finanzierung überforderte, verzichtete er noch vor der Fertigstellung auf die Regierung und zog sich 1728 in ein kleines Landhaus bei Salzburg zurück.

Sein Sohn, Graf Ernst (1700-1758), schreibt 1727 an den Kaiser, sein Vater habe die Regierung an ihn abgetreten. Er finde „eine ungeheure Schuldenlast" vor, die gerichtlichen Verfolgungen würden sein Haus in die „Gefahr eines völligen Unterganges verwickeln“. Bevor er „mit dem Reichslehen begnadigt“ werde, bitte er um die Einsetzung einer kaiserlichen Debit-Kommission.

Zu diesem Zeitpunkt beträgt die Schuldenlast etwa 3700 000 Gulden. Die Kommission verhandelt jahrelang, produziert Aktenmassen und legt Sanierungspläne vor. Zwei konkrete Vorschläge werden erwogen: der Verkauf der Herrschaft Schomburg um 80000 Gulden an den Deutschen Orden und die Einrichtung eines Landkommerziums. Beide Vorschläge lehnt der Kaiser ab, den ersten wegen des Verbots der Veräußerung einer reichsritterschaftlichen Herrschaft an die tote Hand, den zweiten wegen des Einspruchs der benachbarten Reichsstände gegen die Errichtung eines Handelsmonopols in der Grafschaft. De facto stimmt der Kaiser einem Zahlungsmoratorium und Schuldnerschutz zu, um dem „uralten und um Ihre Kaiserliche Majestät [...] so wohl verdienten Reichs-Gräflichen Haus [...] mit allen gedeihlichen Rettungsmitteln auslänglich zu Hülfe zu kommen. Durch Verhandlungen mit den Gläubigern gelingt es immerhin, die auf 560257 Gulden gestiegenen Schulden auf 344497 zu reduzieren. 1738 aber erklärt die Kommission ihre Bemühungen zur Sanierung für gescheitert. Der Reichshofrat sieht nur deshalb von der Einleitung eines förmlichen Konkurs-Verfahrens ab, weil der Graf sich bereit erklärt, einen Zahlungsplan anzunehmen, die Kameralverwaltung abzutreten und sich jeglicher Eingriffe zu enthalten.

1739 entspannt sich die Situation etwas durch einen Fron- und Jagdkontrakt, wonach gegen jährlich 5 500 Gulden die Fronpflichten der Untertanen und Jagdrechte der Grafen abgelöst werden. Mehr noch entlastet den Grafen ein Darlehen von 200000 Gulden, das ihm Kardinal von Schönborn, ein Schwager des Grafen Ernst, als Bischof von Speyer zu günstigen Zinsbedingungen überlässt und das zur Abzahlung älterer Schulden verwendet werden soll. Schönborns Wahl zum Koadjutor in Konstanz hat Ernst als kaiserlicher Wahlkommissar 1722 unterstützt. Schönborn revanchiert sich schon 1735, als er zwei Brüdern von Ernst Domherrenstellen in Speyer und Konstanz verschafft.

Die Auszahlung des Kredits verzögert sich durch den Tod des Kardinals bis 1744, doch hält sich das Speyrer Domkapitel an den Vertrag.

Ein schöner Zahlungsplan legt fest, dass nach einem Verzicht der Gläubiger auf mehr als ein Drittel ihrer Forderungen bei jährlichen Zahlungen von 20000 Gulden das Haus nach 20 Jahren von allen Schulden frei sein soll. Der gräfliche Hofchronist jubelt, „das ganze Schuldenwesen [sei] ganz glücklich gehoben, [...] dass kein Zweifel waltet, es werde das hochgräfliche Haus mit göttlicher Beihilfe in 20 Jahren von allen Passiva liberiert und an wiederum in florisanten Stand gesetzt werden. Es mangelt sowohl an der göttlichen wie an der gräflichen Beihilfe. Es geht ungebremst mit Kreditaufnahmen weiter.

1753 brennt das Neue Schloss ab mit einem Schaden von mehreren 100000 Gulden und unverzüglich wird mit dem Wiederaufbau begonnen. Die Zinszahlungen an Speyer stocken schon vorher, worauf das Darlehen gekündigt wird.

Österreich springt mit einem Kredit in die Bresche und gewährt „zu Aufrechterhaltung des uralt katholischen [...] hochmeritierten Gräflichen Hauses von Montfort [...] eine beträchtliche Aushilfssumme“ von 500 000 Gulden. Damit können der Speyrer Kredit abgelöst und weitere Gläubiger befriedigt werden. Der Schuldenstand hat sich also wieder beträchtlich erhöht. Das Darlehen vermittelt der Bischof von Konstanz, Kardinal von Rodt, dessen Wahl vom Domherrn Johann Nepomuk von Montfort entscheidend gefördert worden war.

Doch da der Graf die Bedingung des Darlehensvertrags nicht erfüllen kann, verpfändete Hochgerichtsrechte einzulösen, behält Österreich von den 500000 Gulden 100000 Gulden zurück. Bereitwillig geht es aber auf den Vorschlag des Grafen ein, die Zinszahlungen des ausbezahlten Betrags auf die Hälfte zu reduzieren und die andere Hälfte mit den nicht ausbezahlten 100000 Gulden zu verrechnen, also Zinszahlungen mit dem Kredit zu finanzieren. Aber selbst mit der Zahlung der restlichen 5000 Gulden Zins gerät Graf Franz Xaver bald in Verzug. Auf die allmählich immer dringenderen Mahnschreiben Österreichs reagiert der Graf mit Verzögerungstaktiken und mit der zweifellos richtigen Bemerkung: „Der Hof wird das Geld weit leichter entbehren, als ich derzeit zahlen kann. Doch nun droht Österreich, die Worte des Grafen „wie Versprechen eines zahlungsflüchtigen Schuldners zu betrachten und kündigt 1763 und 1764 das gesamte Darlehen. Der Schuldenstand ist mittlerweile über 800000 Gulden gestiegen.

Der Graf wendet sich in seiner Not an die Konservatoren seiner Familie, die wieder eine Kommission einsetzen, die wiederum einen Zahlungs- und Sanierungsplan aufstellt. Eine Sanierung sei aber nur möglich, wenn dem Graf die Finanzverwaltung entzogen und eine Administrationskommission eingesetzt werde. Davon will der Kaiser aber nochmals absehen. Der Graf jubelt, dass seine Verhältnisse „noch nicht administrationsmäßig befunden werden“, die Konservatoren beginnen zu resignieren, da der Graf weiterhin „offene Hände behält.

Eine Befreiung von der Schuldenlast zeichnet sich ab, als 1765 Verhandlungen mit Bayern über einen Verkauf der Herrschaft Argen aufgenommen werden, für es 1769 800000 Gulden bietet, was aber Österreich unter Berufung auf sein Vorkaufsrecht verhindert. Verhandlungen über einen Verkauf Argens an Österreich werden hinhaltend geführt. Die Auszahlung der Kaufsumme der Reichsabtei Weingarten für die Überlassung des Hochgerichts in der Herrschaft Liebenau mit kaiserlicher Genehmigung von 1764 verzögert Österreich bis 1773. Als Befürchtungen aufkommen, das Heiratsgut der dritten Frau Franz Xavers könne den Grafen aus seiner Zwangslage befreien, will Österreich keine Risiken mehr eingehen und erwirkt 1773 die Exekution und förmliche Immission mit der Beschlagnahme aller Einkünfte der Herrschaft Argen und des Amts Hemigkofen. Der Kaiser lässt mitteilen, „von einer weiteren Kaufhandlung keine Frage mehr sein könne“ und der Graf könne froh sein, wenn er nicht „noch zwischen vier Mauern komme. Gleich drei Beamte, der Oberamtmann von Wasserburg, der Landrichter von Altdorf und der Administrationsbeamte in Langenargen berichten regelmäßig an die vorderösterreichische Regierung über die verzweifelten Versuche des Grafen, den Kopf noch aus der Schlinge zu ziehen.

Die Beamten registrieren, wohin aus dem Schloss Briefe abgehen, mit wem der Graf spricht, wohin der Oberamtmann reist. Alle drei unterbreiten Vorschläge, wie Österreich endlich die Herrschaft ganz übernehmen könne, alle drei mit Ambitionen auf die zu erwartenden Stellenneubesetzungen.

1776 muss der Graf seine Zahlungsunfähigkeit bekennen. Der Schuldenstand beträgt nun etwa 1,2 Mio. Gulden, davon ein Viertel Zinsrückstände. Der Reichshofrat lässt nun auch die restlichen Herrschaften Tettnang und Schomburg von einer kaiserlichen Kommission unter Leitung des bischöflich konstanzischen Kanzlers verwalten und leitet ein förmliches Konkursverfahren ein.

Es gibt also zwei Administrationen: Die Einkünfte der Herrschaft Argen werden von Österreich, die der Herrschaften Tettnang und Schomburg von einer kaiserlichen Kommission verwaltet, obwohl hinter beiden letztlich das Haus Habsburg steht, repräsentiert durch zwei Personen, Maria Theresia als österreichische Landesherrin und Joseph II. als Kaiser. Das Interesse des neureichen Fürsten von Palm an einem Ankauf der Herrschaften zu prüfen, ist nicht mehr möglich. Dem Grafen fehlt nun das Geld für das Nötigste. Er weiß sich nicht mehr anders zu helfen, als sich Erb-, Waisen- und Depositengelder anzueignen. Er bittet seinen Kanzleidirektor, „seinen äußersten Notpfennig aufzuopfern und die beschwerliche Reise nach Wien zu unternehmen, um alldort seinem dermaligen Elend [...] ein Ende zu machen und letzte Verhandlungen zu führen. Am 19. Juli 1779 müssen Graf Franz Xaver und sein Bruder Anton der Abtretung aller Herrschaftsrechte gegen Übernahme aller Schulden durch Österreich und eine Pension von 6000 bzw. 3000 Gulden für die Grafen zustimmen und stellen darüber am 13. August 1779 in Tettnang eine Urkunde aus. Mit der Vermittlung des Verkaufs hat der Bischof von Konstanz, der als Konservator des gräflichen Hauses eigentlich dessen Interessen vertreten müsste, getreu die ihm von den österreichischen Beamten übermittelten Instruktionen exekutiert. Die österreichischen Beamten finden den Kauf eine sehr preisgünstige Lösung, denn Österreich handelt die anderen Gläubiger auf die Hälfte ihrer Forderungen herab und kommt mit knapp 900000 Gulden davon, wenig mehr, als es 1769 für die Herrschaft Argen allein geboten hat. Der Altdorfer Landrichter schätzt den Wert der Grafschaft „auf paar Millionen“ Gulden. Die Waldburger können die etwas kleinere Grafschaft Friedberg-Scheer um 2,1 Millioen Gulden an Thurn und Taxis verkaufen.

Graf Franz Xaver stirbt noch vor der Regierungsübernahme durch Österreich am Karfreitag 1780. Für kurze Zeit tritt formell noch sein Bruder Anton IV. als regierender Graf die Nachfolge an. Am 22. August 1780 übergeben bzw. übernehmen die kaiserlichen und österreichischen Kommissare die Regierung in betont nüchternen Reden, in denen vor allem die Pflicht der Untertanen zur Dankbarkeit für die Befriedigung der Gläubiger betont wird. 1787 stirbt Graf Anton IV. als letztes männliches Glied der Familie 1787 unter Hinterlassung von wieder 13000 Gulden Schulden.

1803 wendet sich die „Comtesse de Montfort“, geb. Gräfin von Schall zu Bell, an die vorderösterreichische Regierung wegen einer Kopie des Ehevertrags, den der Tettnanger Registrator aber nicht mehr finden kann. König Friedrich von Württemberg vergibt den Titel eines Fürsten von Montfort 1816 neu an seinen als König von Westfalen entthronten Schwiegersohn Jérôme.

Den Verkauf begründet Graf Franz Xaver mit der „Reihe aller Gattung Unglücksfällen, die dasselbe [Haus] seit vielen Jahren unaufhörlich verfolgt haben [...], so dass wir unmöglich mehr daraus uns zu erschwingen im Stande waren, sondern in Ermanglung hinreichender Einkünfte uns standesmäßig aufzuführen und zugleich den zahlreichen Kreditoren Genüge zu leisten, immer noch tiefer hinein gerieten. Diese Begründung und die geschilderten Vorgänge scheinen zu bestätigen, dass die Grafen der Schere zwischen „repräsentativer Rationalität“ oder „kompensatorischer Repräsentation“ auf der einen und den Zwängen „ökonomischer Rationalität“ zum Opfer gefallen sind.



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