Stammhaus Montfort

Schon die zweite Generation kündigte die Spaltung der Familie an. Während Hugo II. sich als vehementer Anhänger der Staufer hervortat (der die staufische Politik propagierende Dichter Rudolf von Ems, † 1254, war sein Ministeriale), begründeten die Söhne seines früh verstorbenen Bruders Rudolf I. als Grafen von Werdenberg ein neues Geschlecht, das teilweise in eine heftige Fehde mit den Grafen von Montfort eintrat.

Als nachgeborene Söhne aus zweiter Ehe verfolgten Heinrich I. als Mitglied des Dominikanerordens und päpstlicher Pönitentiar und Friedrich I. die päpstliche Linie. Es hat den Anschein, als hätte diese Partei auf dem Konzil von Lyon, das Kaiser Friedrich II. absetzte und den Bann über ihn verhängte, Friedrich I. an die Stelle Hugos II. setzen wollen, doch kam es nach dem Tod des Kaisers 1250 zu einer Verständigung.

Der 1. Montforter Teilung um 1258, die die Abspaltung der Grafen von Werdenberg brachte (die sich in den südlichen Landesteilen festsetzten und dort neue Städte in Bludenz, Sargans und Werdenberg gründeten), folgte um 1270 die 2. Montforter Teilung unter den Söhnen Hugos II., aus der drei Linien hervorgingen: Rudolf II. († 1302) begründete die Feldkircher Linie, Ulrich I. († 1287) die (so genannte ältere) Bregenzer Linie und Hugo III. († 1309) die (ältere) Tettnanger Linie.

Die mit dem Tod des Grafen Hugo V. 1338 ausgestorbene Bregenzer Linie wurde durch die (ältere) Tettnanger Linie beerbt. Graf Wilhelm II. von Tettnang († 1354), der die Herrschaften Bregenz und Tettnang wieder vereinigte, kam als kaiserlicher Statthalter in der Lombardei zu großem Reichtum. Seine Nachkommen teilten ihren Besitz wiederholt auf. Alle Grafen von Tettnang machten im Reichsdienst oder auch unter den Habsburgern Karriere und traten nach der Glaubensspaltung für eine kompromisslose Verteidigung der katholischen Konfession ein.

Zwei Grafen, die eine geistliche Karriere machten, blieben außerhalb dieser Erbteilung: Friedrich II. als Bischof von Chur (1283 - 1290) und Wilhelm I. als Abt von St. Gallen (1281 - 1301).

Nach dem Tod Wilhelms II. ("des Reichen") 1354 erbte dessen Sohn Wilhelm III. († 1373) die Herrschaft Bregenz und begründete dort die neuere Linie (Tettnang-)Bregenz. Seine Söhne Konrad I. († 1399) und Hugo XII. († 1423) teilten die Herrschaft Bregenz unter sich auf, was zur Folge hatte, dass Bregenz - in zwei Hälften, 1451 und 1523 - an Österreich überging.

Hugo XII., bekannt als der Minnesänger, dessen Name in der deutschen Literatur unsterblich wurde, spielte auch in der habsburgischen Verwaltung eine hervorragende Rolle. Durch mehrere Heiraten gelangte er in der Steiermark und in Kärnten zu einem ausgedehnten Besitz. Von seinen Nachkommen verkaufte Hugo XVII. († 1536), der letzte Graf von Bregenz, sein Erbe 1523 an Österreich, während dessen Bruder Georg III. († 1544) die innerösterreichischen Besitzungen übernahm.

Als 1574 die (ältere) Tettnanger Linie mit Ulrich VI. ausgestorben war, wurden die Nachkommen Georgs III., der mit einer illegitimen Tochter des Königs Sigismund I. von Polen verheiratet war, zu den Erben der bereits stark verschuldeten Grafschaft Tettnang berufen.

Hintergrund: Sigismund I. König von Polen und als Sigismund II. Großfürst von Litauen, Mitglied des Ordens vom Goldenen Vlies, aus dem Adelsgeschlecht der Jagiellonen.

Aus seiner nichtehelichen Beziehung mit der böhmischen Mätresse Katharina de Thelnicz hatte er drei Kinder:

- Jan(usz) de Thelnicz (1499 - 1538); Bischof von Vilnius und Posen
- Regina Szafraniec (1500 - 1526); verheiratet mit dem Starost, Großgrundbesitzer und königlichen Sekretär Hieronim Szafraniec
- Katharina Gräfin von Montfort (1503 - 1548); verheiratet mit Graf Georg III. von Montfort

Katharina Jagiellonica; eigentlich Katarzyna Jagiellonka, war eine polnische Prinzessin aus dem Adelsgeschlecht der Jagiellonen. Als Gattin von Georg III. von Montfort war sie Gräfin von Montfort.

Die Jagiellonen beherrschten dank ihrer vielfältigen Verbindungen mit den Adelsfamilien Europas um 1500 das Königreich Polen, das Großfürstentum Litauen, das Königreich Böhmen, das Königreich Ungarn und das Königreich Kroatien. Sie strebten nach der Aufrechterhaltung eines Gleichgewichts mit dem römisch-deutschem Kaisertum, dem Osmanischen Reich und der Festigung des Besitzstandes an der Ostflanke auf dem Gebiet der ehemaligen Kiewer Rus gegen das Großfürstentum Moskau. Deshalb überließ 1515 Sigismund I. im Wiener Vertrag die Kronen Ungarns, Kroatiens und Böhmens den Nachkommen aus der Eheverbindung Ludwigs II. mit dem Haus Habsburg.

Diese Grafen von Montfort-Bregenz-Peckach-Tettnang verkauften ihren steirischen Besitz, setzten aber gleichwohl die schon traditionelle Schuldenwirtschaft fort, wiewohl sie durch den Dreißigjährigen Krieg stark in Mitleidenschaft gezogen wurden. Ihre Prachtliebe und ihre Bautätigkeit verstrickte sie in immer tiefere Schulden.

Besonders herausragende Persönlichkeiten aus dem Hause Montfort waren die geistlichen Herren, insbesondere der St. Galler Abt Wilhelm I. und der Churer bzw. Konstanzer Bischof Rudolf III., die ihr vergrößertes Machtpotenzial auch in den Dienst der Familie stellten. Rudolf III. konnte seine Reformen, die er im rechtlichen und finanziellen Bereich im Bistum Konstanz durchführte, mit Erfolg auch auf die Herrschaft Feldkirch übertragen. Während die Bregenzer Vettern, sieht man von dem Minnesänger Hugo XII. ab, über eine lokale Bedeutung kaum je hinauskamen und sich häufig als kleinliche und tyrannische Potentaten erwiesen, kamen die Feldkircher Grafen ihren Untertanen mit großzügigen Freiheitsrechten und einer Kodifikation des auf reichsstädtischem Lindauer Recht beruhenden Stadtrechtes frühzeitig entgegen und ermöglichten demokratische Strukturen.

Sämtliche Brüder standen in einem heftigen Gegensatz zu König Rudolf I. von Habsburg, da sie während des Interregnums Reichsgut usurpiert hatten, um dessen Revindikation sich der König bemühte. Es kam wiederholt zu kriegerischen Auseinandersetzungen. Die jüngere Generation gab den Widerstand gegen die Habsburger und damit auch eine eigenständige Politik auf. Die Montforter wurden in der Folge Vasallen der Habsburger; alle montfortischen Gebiete gelangten bis 1780 in österreichischen Besitz.

Unser heutiges Haus stellt sich zu einigen geschichtlichen Darstellungen, Ausschreibungen, Dokumentationen dieser Ansprüche gegenüber dem Haus Habsburg in Rückführung der ehemaligen Besitztümer.



 
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